Kommunale Kulturpolitik in Zeiten leerer Kassen


Bernd Gussmann, der Vorsitzende des „Freundeskreis Lichtentaler Allee“ konnte im Kulturhaus LA 8 zahlreiche Mitglieder und Gäste zum Vortrag „Kommunale Kulturpolitik in Zeiten leerer Kassen“ begrüßen. Darunter auch den Ersten Bürgermeister von Baden-Baden Alexander Wieland, den Intendanten des Theater Baden-Baden Simon Meienreis und den Präsidenten der Patronatsgesellschaft, Christian Baader. Referent der Veranstaltung war Ulrich von Kirchbach, Kulturbürgermeister von Freiburg von 2002 bis zum Frühjahr 2026.

Grußwort Erster Bürgermeister Alexander Wieland

In seinem Grußwort betonte Baden-Badens erster Bürgermeister Alexander Wieland: „Baden-Baden wäre nicht Baden-Baden ohne seine kulturellen Einrichtungen. …
Kulturelle Einrichtungen geben Impulse und machen uns Menschen aus.“

Ulrich von Kirchhof: ehemaliger Kulturbürgermeister Freiburgs

Im daran anschließenden Vortrag des langjährigen Freiburger Kulturbürgermeisters, legte dieser zunächst dar, wie Kultur eine Stadt, in Ihrer Entwicklung und der Attraktivität für Bürger und Touristen, prägt.

Bei einer schwierigen finanziellen Situation einer Kommune werden dennoch häufig sehr schnell freiwillige Leistungen gekürzt oder gestrichen, zu denen in der Regel auch kulturelle Angebote gehören. Dies kann aber bald zu einer Gefährdung der Daseinsvorsorge führen, in Form von geschlossenen Schwimmbädern, Museen, Jugendtreffs oder kulturellen Veranstaltungsorten. Dadurch würd der Unmut der Bevölkerung gefördert und es trägt zur Verödung von Innenstädten bei, da kulturelle Angebote auch wesentliche Frequenzbringer darstellen. Zudem kommen einmal geschlossene kulturelle Angebote meist nicht mehr zurück.

Eine Kommune, so Kirchbach, sollte daher eine zukunftsorientierte Kulturpolitik formulieren, die den Rahmen für Kriterien der dauerhaften Kulturförderung darstellt. Die Bewertung der Kriterien in Bezug auf einzelne kulturelle Einrichtungen ist aber dann immer eine individuelle Aufgabe. Wichtig ist dabei auch ein gesellschaftliches Engagement der Bürger in Form von Fördervereinen und deren Beteiligung.

Gussmann erläuterte abschließend, am Beispiel des Theater Baden-Baden, die vielfältigen Aspekte einer Kosten- / Nutzenbeurteilung von kulturellen Einrichtungen. Im Jahr 2025 betrugen lt. Gussmann die Aufwendungen für das Theater 8,16 Mio. Euro, diese wurden durch BKV / Landeszuschüsse in Höhe von 4,1 Mio. € und 0,8 Mio. € eigene Einnahmen teilfinanziert. Es verblieb so eine Belastung für die Stadt Baden-Baden in Höhe von ca. 3,3 Mio. €. Legt man zusätzlich die Besucherzahl von 57.000 (Dt, Bühnenverein 22/23) zugrunde, so ergäbe sich ein weiterer Mehrumsatz durch diese in Gastronomie, Handel, Parken von 0,9 – 1,7 Mio. € (15-30 Euro je Zuschauer).


Im Aufwand des Theaters sind außerdem allein 5,55 Mio. Personalkosten enthalten auch von diesen verbleibe ein Großteil in Form von Mieten, Haushaltsführung, Steuern und Gebühren in Baden-Baden. Eine reine Aufwandsbetrachtung greife also viel zu kurz. Eine lebhafte Diskussion zeigte das große Interesse an diesem Thema.

Foto oben, von links nach rechts: Alexander Wieland, Bernd Gussmann, Ulrich von Kirchbach, Christian Baader, Simon Meienreis

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